Legasthenie Ursachen – LRS

Schlechte Rechtschreibung: Gene, Wahrnehmung, AD(H)S, Schule?


Die Frage nach den Legasthenie Ursachen, den Gründen für eine Rechtschreibschwäche, stellen sich viele ElternHäufig haben Kinder mit einer LRS nicht nur Schwierigkeiten mit dem Lesen oder Schreiben, sondern zeigen Schwächen in der Wahrnehmung. Meist ist die Verarbeitung sprachlicher Informationen im Gehirn beeinträchtigt.

Verschiedene LRS Ursachen

Eine Legasthenie bzw. eine Lese-/Rechtschreibschwäche hat viele Ursachen, sie ist multifaktoriell bedingt. So unterschiedlich sich die Symptome einer LRS zeigen, so verschieden sind eben auch die Legasthenie Ursachen - die Gründe der Rechtschreibfehler. Auch das Uniklinikum Jena schreibt zur Frage nach den Legasthenie Ursachen und wie eine Lese-/ Rechtschreibschwäche entsteht:

»... wie genau die Störung des Schriftspracherwerbs entsteht und welche Ursachen der LRS zugrunde liegen, wird nach wie vor diskutiert. Derzeit werden unterschiedliche Modelle erforscht...


Gene: Legasthenie ist vererblich

Eine Ursache für Legasthenie findet sich in den Genen. Sehr oft finden sich innerhalb einer Familie mehrere Personen mit einer Lese Rechtschreibschwäche. Dies bedeutet, dass die Anlage für eine Legasthenie (oder andere Teilleistungsschwächen), die sogenannte Disposition, vererbt wird. Vergleichbar ist dies mit einem Talent: es gibt Familien, in denen viele Personen musikalisch begabt sind – wobei nicht alle Familienmitglieder dieses Talent haben. So auch bei einer Legasthenie: hat beispielsweise der Vater eine LRS, ist die Möglichkeit, dass eines der Kinder ebenfalls eine Rechtschreibschwäche entwickelt um ein vielfaches erhöht. Jungen sind häufiger betroffen als Mädchen. Genetiker gehen davon aus, dass bei erblicher Disposition ein bestimmtes Gen verändert ist.


Neurobiologie: Die linke Hirnhälfte

Im Hirn sind die Areale für verschiedene Fähigkeiten unterteilt und müssen gut verknüpft werden. Bei den meisten Menschen ist für das Sprachverständnis die linke Hirnhälfte verantwortlich. Kommt es zu Schädigungen der linken Hirnhälfte (beispielsweise während der Geburt) oder werden Verknüpfungen nicht optimal ausgebildet, wird die Verbindung von Sehen (Buchstaben), Hören (Laute) und Motorik (Schreiben) erschwert.

Bei vielen Linkshändern liegt das Sprachzentrum wie bei Rechtshändern in der linken Hirnhälfte. Dadurch kann es bei betroffenen Kindern zu Schwierigkeiten kommen.

Legasthenie Ursachen: veränderte Wahrnehmung

Auditive Wahrnehmung: Legastheniker hören anders

Um richtig schreiben zu können, müssen die Lautfolgen der Worte unterschieden werden. Kinder mit einer Legasthenie können schnelle oder ähnliche Tonfolgen oftmals nicht genau wahrnehmen. So kann es dazu kommen, dass einzelne Laute oder auch Vokallängen nicht differenziert werden, z.B. d/t, b/p, g/k, n/m.


Visuelle Wahrnehmung: Legastheniker sehen anders

Beim Lesen oder Schreiben eines Textes ist es wichtig, dass die Augen das jeweilige Wort fixieren und wir einen Überblick über die Zeilen haben. Ein Grund für Rechtschreibfehler liegt in der visuellen Wahrnehmung. Legastheniker haben häufig Schwierigkeiten mit der Raumwahrnehmung und der Fixation der Augenbewegung, so dass Worte ausgelassen oder Zeilen übersprungen werden.

Auch werden formähnliche Buchstaben oder Zahlen verwechselt, z.B. m/n, d/b, p/q, 6/9. Der Grund für das Verwechseln von b/d und ähnlichen Buchstaben liegt also darin, dass die Kinder keinen sicheren Bezug zur Raumlage dieser Buchstaben haben. Um die visuelle Wahrnehmung zu trainieren, können Übungen zur Unterscheidung der Raumlage (rechts, links), genauen Wahrnehmung von Details sowie Überkreuzübungen durchgeführt werden.

Rechtschreibschwäche: Sprache und Lautanalyse


Phonologische Bewusstheit: Bei Legasthenikern ist die Lautanalyse beeinträchtigt

Eine wesentliche Legasthenie Ursache liegt in der Verarbeitung sprachlicher Strukturen. Mit der phonologischen Bewusstheit ist die basale Fähigkeit der Lautanalyse gemeint. Hierunter versteht man beispielsweise das Reimen, das Erkennen von Lautpositionen (Anfangs-, End-, Mittellaut) und das Silbieren. Ist die Fähigkeit zur Lautanalyse eingeschränkt, fällt es Kindern sehr schwer die Phoneme, d.h. die kleinsten sprachlichen Einheiten, sinnvoll zu verbinden und bereits Gelerntes wieder aus dem Langzeitgedächtnis zu erinnern.

Auch ist das Lesen bei beeinträchtigter Lautanalyse erschwert, da es hier notwendig ist, die Worte so auszusprechen, wie dies in der Umgangssprache richtig klingt. Kinder mit einer Lese-/ Rechtschreibschwäche zeigen Schwierigkeiten beim sogenannten phonologischen Rekodieren. So ergibt beispielsweise das Wort „Eimer“ nur dann einen Sinn, wenn der Umlaut korrekt zusammen gelesen wird – „E imer“ ist kein bekanntes Wort. Ist das Lesen mühsam, konzentrieren sich die Kinder auf einzelne Worte und verstehen den Sinn des Textes nicht.


Intelligenz gehört nicht zu den Legasthenie Ursachen

Keine Legasthenie Ursache ist "Dummheit". Eine Intelligenzminderung ist per Definition keine Ursache für eine Legasthenie, da diese nur dann diagnostiziert wird, wenn die Rechtschreibleistung deutlich von der Intelligenz abweicht. Im Gegenteil: oftmals sind von einer LRS betroffene Menschen sehr klug und zeigen überdurchschnittliche Leistungen.


AD(H)S: Schlechte Konzentration erschwert Lernen

Bei Kindern mit AD(H)S tritt sehr häufig auch eine Lese-/Rechtschreibschwäche auf. Ob ADHS und ADS dabei als Legasthenie Ursachen in Frage kommen ist nicht eindeutig. Es kann sein, dass das betroffene Kind beide Schwächen - also die Konzentrationsschwäche sowie die Rechtschreibschwäche - gleichzeitig entwickelt. Es kann aber auch sein, dass die Rechtschreibung und das Lernen wegen der Konzentrationsschwäche so erschwert wird, dass das Kind eine Rechtschreibschwäche aufweist, ohne ursprünglich Probleme mit der Sprache, der phonologischen Bewusstheit, zu haben. Aber: Nicht alle Kinder mit AD(H)S zeigen auch Rechtschreibschwierigkeiten!

Andersherum kann es vorkommen, dass ein Kind mit einer Legasthenie das Lesen und Schreiben so anstrengend empfindet, dass es zunehmend unkonzentrierter ist. Die Lerninhalte beim Schriftspracherwerb sind für Kinder mit LRS schwerer zu erfassen und umzusetzen, Inhalte, Wortbilder etc. werden oftmals schnell wieder vergessen, in einem Text werden Worte mal richtig und mal falsch verschriftet. Das, was nun aussieht, wie eine Konzentrationsschwäche oder gar AD(H)S, kann den Ursprung in der Rechtschreibschwäche haben - so ist dann Ursache des in diesem Fall nur scheinbaren ADHS eine Legasthenie!

Bei Kindern mit AD(H)S, die Rechtschreibschwierigkeiten aufweisen, ist neben der Behandlung und Therapie der Konzentrationsstörung auch eine Rechtschreibförderung wichtig. Betroffene Kinder zeigen Lernlücken, die aufgeholt werden müssen.


Soziale Faktoren: Eltern haben keine Schuld

Ebenfalls keine Legasthenie Ursachen sind Umweltfaktoren. Das heißt beispielsweise, dass auch Kinder, denen als Kleinkind viel vorgelesen wurde und deren Eltern sehr bemüht um die emotionale und soziale Entwicklung des Kindes sind, bei entsprechender Disposition eine LRS entwickeln können. Natürlich aber wirken sich emotionale und soziale Probleme oder ein für das Kind ungünstiger Schulunterricht negativ auf die Entwicklung und das Lernen aus. Konkret bedeutet dies, dass Kinder, die nicht richtig unterrichtet werden und keine Unterstützung beim Lernen erhalten, Rechtschreibung auch nicht richtig lernen können.


Ein Grund für schlechte Rechtschreibung:

Werden Kinder mit einer Lese Rechtschreibschwäche nicht richtig gefördert, wird dies die Schwäche verstärken und den Leistungsunterschied zwischen Kindern mit und ohne LRS zunehmend vergrößern.

Legasthenie / LRS Ursachen kennen um richtig zu fördern


Legasthenie Ursachen: Gene, Wahrnehmung, Intelligenz, AD(H)S, Schule?

Der Frage nach dem Grund für schlechte Rechtschreibung muss die Frage "und nun?" folgen. Alleine das Wissen um die Hintergründe eines erschwerten Lernens im Schriftsprachbereich ist keine Hilfe für betroffene Kinder. Ebenso wenig darf das Label "Legasthenie" als Begründung dienen, die schlechte Rechtschreibung so zu belassen. Auch Kinder mit einer stark ausgeprägten Lernstörung der Schriftsprachkompetenz können das Lesen und Schreiben erfolgreich lernen.