20 Fragen zur Lese-/Rechtschreibschwäche

Beratung und Hilfe bei Legasthenie und Rechtschreibschwäche im PFI

Viele Fragen bewegen Eltern, deren Kind Schwierigkeiten in der Schule, beim Lesen und Schreiben oder in Mathe hat. 


Hat mein Kind eine Lese-/ Rechtschreibschwäche und ab wann kann man das testen lassen?
Was kostet eine Förderung und ist mein Kind nicht vielleicht einfach nur unkonzentriert oder gar faul?
Muss ich vielleicht mehr lesen?

 

Hier finden Sie eine Übersicht der Fragen und Antworten. Persönlich können wir Sie ganz individuell zum Lernen und Leistungsstand Ihres Kindes beraten. Wir testen, beraten und fördern bei LRS und Dyskalkulie!

Haben Sie Fragen zur LRS Therapie?

 >> Wir freuen uns über Ihren Anruf!


1. Was ist LRS?

LRS ist die Abkürzung für Lese- / Rechtschreibschwäche oder auch Lese-/Rechtschreibstörung. Diese Teilleistungsschäche liegt vor, wenn das Kind in einem längeren Zeitraum mehr Rechtschreibfehler macht als "normal". Gemessen wird dies mit einem standardisierten  LRS Test.


 2. LRS - obwohl mein Kind gut lesen kann?

Bei einer LRS sind häufig das Lesen sowie das Schreiben beeinträchtigt. Dies muss aber nicht sein. Es gibt viele Kinder, die keine Leseschwäche haben und dennoch sehr viele Rechtschreibfehler machen und eine Rechtschreibschwäche aufweisen. Verallgemeinernd wird häufig dennoch von einer Lese-/Rechstchreibschwäche gesprochen. Weitere Begriffe zum Problem des erschwerten Schreiben-Lernens unterscheiden anders.


3. Ab wann kann ich mein Kind auf LRS testen lassen?

Da eine Lese-/Rechtschreibschwäche erst dann auftritt, wenn das Kind tatsächlich schreibt, ist eine Testung auf LRS also erst im Schulalter möglich. Die standardisierten Vergleichswerte z.B. der HSP liegen ab Mitte der 1. Klasse vor. Das heißt  - sollte Ihr Kind bereits in der ersten Klasse Schwierigkeiten haben, können wir jetzt schon sagen, ob es eine Rechtschreibschwäche hat oder entwickeln wird.

Vor der Einschulung können wir ein Screening (zum Beispiel das Bielefelder Sreening) durchführen lassen, um Auffälligkeiten in der sprachlichen Entwicklung, die für das Rechtschreibenlernen wichtig sind, festzustellen. Fachlich spricht man hier von der phonologischen Bewusstheit - gemeint sind damit beispielsweise Reime, Silben, grammatische Elemente und die Aussprache etc.


4. Wie lange muss ich auf einen Testtermin warten?

Uns ist es wichtig, schnell zu helfen. Einen Termin zur Beratung und Test auf LRS oder Dyskalkulie erhalten Sie in der Regel innerhalb weniger Tage. Eine erste fundierte Einschätzung der Rechtschreibleistung Ihres Kindes erhalten Sie direkt bei diesem Termin.


5. Wie lange dauert eine LRS Therapie?

LRS Therapien dauern unterschiedlich lange. Die Probleme sind nicht über Nacht entstanden und wir bekommen sie auch nicht über Nacht wieder weg. Bei manchen Kindern bemerkt man nach wenigen Wochen bereits gute Verbesserungen, bei anderen dauert dies ein halbes Jahr oder länger. "Fertig" sind einige Kinder nach etwa einem Jahr, andere nach zwei Jahren und wiederum andere begleiten wir fast ihr gesamtes Schulleben lang. Nicht weil diese Kinder noch schlecht in der Rechtschreibung sind, sondern weil wir eine Unterstützung im Lernen bieten, die bis zum Abitur sehr hilfreich sein kann. Konkret: Lassen Sie Ihr Kind solange fördern, bis Ihr Kind stabil in dem Leistungsbereich ist, den Sie und Ihr Kind möchten.


6. Ist Legasthenie eine Krankheit?

Obwohl unter F81, des ICD-10 die umschriebenen Entwicklungsstörungen schulischer Fertigkeiten benannt werden, ist die Rechtschreibschwäche keine Krankheit, die Therapie wird somit nicht von den Krankenkassen übernommen.

F81.0 Lese- und Rechtschreibstörung

...Bei umschriebenen Lesestörungen sind Rechtschreibstörungen häufig und persistieren oft bis in die Adoleszenz, auch wenn einige Fortschritte im Lesen gemacht werden. Umschriebenen Entwicklungsstörungen des Lesens gehen Entwicklungsstörungen des Sprechens oder der Sprache voraus. Während der Schulzeit sind begleitende Störungen im emotionalen und Verhaltensbereich häufig.


7. Was kostet eine LRS Therapie?

In der Regel tragen die Eltern die Kosten der Förderung. Test und Beratung sind bei uns kostenlos.

Die Kosten der Förderung erfahren Sie im PFI vor Ort. Die Kosten richten sich danach, wie die Förderung oder Nachhilfe umgesetzt wird. In den jeweilig festgelegten Kosten sind dann alle benötigten Materialien, Testungen und Beratungen enthalten.

In Ausnahmefällen gibt es Unterstützung durch das Jugendamt nach §35a KJHG.

Eine genaue Aufstellung und Kostentransparenz erhalten Sie vor Ort - abhängig eben davon, was Sie für Ihr Kind wünschen.


8. Bringt Nachhilfe oder Förderung überhaupt etwas?

Wenn sie gut ist, ja!

Kinder mit einer Rechtschreibschwäche haben besondere Fähigkeiten und eben Schwächen. Nur Profis wissen, was und wie das Kind lernen muss, um sich zu verbessern. Die Verbesserung ist bei jedem Kind unterschiedlich. Statistiken zeigen: Mädchen verbessern sich schneller als Jungen. Ein Kind mit einer geringen Schwäche erreicht eher den Normbereich (unauffällige Rechtschreibleistung). Bei uns haben sich nach etwa einem Jahr Förderung 80% der Kinder so gesteigert, dass sich auch die Schulnoten verbessern.


9. Ist der LRS Test schlimm für mein Kind?

Nein. In vielen Jahren Erfahrung im Testen der Rechtschreibleistungen haben wir zwar schon Kinder erlebt, die eigentlich gar nicht zu uns kommen wollten. Diese Kinder hatten Angst vor dem Test oder auch einfach keine Lust, weil Schreiben "doof" ist. Jedoch habe ich kein Kind erlebt, dass den Test oder das Gespräch mit mir nun tatsächlich schlimm gefunden hatte. Wie wissen, mit welchen Gefühlen und Ängsten ein Kind zu uns kommen kann und wissen ebenfalls, wie wir dies sensibel angehen. Der LRS Test an sich geht auch recht schnell.


10. Wo kann man auf LRS testen lassen?

Die Diagnostik kann nur von ausgebildeten Pädagogen oder Psychologen in entsprechenden Fördereinrichtungen durchgeführt werden. Es wird ein standardisierter Test durchgeführt und Schriftproben Ihres Kindes ausgewertet. Im PFI können Sie Ihr Kind auf LRS testen lassen und erhalten auf Wunsch eine schriftlichen Bericht über die Ergebnisse. Sie finden uns in verschiedenen Städten - eine Übersicht finden Sie auf der Kontaktseite.


11. Diktate gut - doch in Aufsätzen viele Fehler?

Kinder wissen, dass es bei Diktaten um die Rechtschreibung geht und bemühen sich, alles richtig zu schreiben. Bei Aufsätzen vergessen sie dies manchmal  - es geht dem Kind um die Geschichte, die Rechtschreibung ist für das Kind dann "nebensächlich". Hinzu kommt, dass bei geübten Diktaten ein gutes Ergebnis daran liegen kann, dass das Kind ein hervorragendes Gedächtnis hat und die Worte auswendig lernt. Bei freien Texten ist dies nicht möglich.


12. Ist mein Kind nur zu faul?

Nein! Nun - wir kennen IHR Kind nicht und ganz bestimmt denkt kein Kind, "juhu, Lernen ist toller als Spielen". Aber jedes Kind möchte anerkannt, gemocht werden. Kein Kind macht freiwillig Fehler. Im Gegenteil, in unserer Praxis lernen wir oft Schüler kennen, die zu Hause schon viel zu viel üben. Aus der berechtigten Sorge der Eltern oder Hinweisen der Schule wird manchmal ein Zuviel an Lernen. Dabei geht es keineswegs um Quantität ("du musst mehr üben"). Mehr des Gleichen bringt bei LRS nichts. Das Lernen muss anders gestaltet sein.

Dass Kinder mit einer Rechtschreibschwäche manchmal das Lernen oder die Hausaufgaben zu vermeiden versuchen, - trödeln, Aufgaben "vergessen", mit den Eltern streiten, weil sie keine Lust haben, erst den Radiergummi suchen müssen und noch etwas trinken..., hat nichts mit "Faulheit" im eigentlichen Sinne zu tun. Diese Kinder sind aufgrund ihrer Lernprobleme überfordert und frustriert. Schreiben ist anstrengend, "ständig" höhren sie, sie sollen mehr aufpassen oder mehr üben und auch wenn sie das machen, sind die Rechtschreibleistungen meistens weiterhin nicht so gut - wer hätte da noch Lust?

Lernmotivation ist stark vom Erfolg abhängig. Nur das, was mir ein postives Gefühl gibt, einen Erfolg ermöglicht, macht mir Freude und ich werde mich gerne damit beschäftigen.


13. Hilft Lesen, die Rechtschreibung zu verbessern?

Leider nein. Lesen ist sehr wichtig und sollte unbedingt gut geübt werden. Nicht nur weil Lesen von Geschichten einfach viel Spaß macht, sondern auch, weil der Wortschatz und die Fähigkeit zur Informationsentnahme "nebenbei" verbessert wird. Es ist jedoch nicht so, dass wir uns Worte einprägen, weil wir sie in einem Buch lesen.

Ein Beispiel: "wnne ihc in eienm txet merhere bchustbaen vrederhe knnöen sie dne txet denonhc lsen."

 ...wir lesen, indem wir relevante Wortmerkmale wahrnehmen. Es wäre viel zu anstrengend für unser Hirn, wenn wir jedes Wort in seiner exakten Rechtschreibstruktur abspeichern würden. Und gerade Kinder mit einer LRS haben oftmals eine starke Beeinträchtigung im Wortbildgedächtnis.


14. Sind Rechtschreibfehler schlimm?

In den Grundschulen wird die Rechtschreibung nicht mehr so gewichtet wie früher. Dennoch: sowohl schulisch als auch gesellschaftlich ist es keineswegs in Ordnung, wenn jeder so schreiben würde, wie er meint. Wir würden Briefe nicht mehr verstehen, könnten keine Zeitung mehr lesen, Anschreiben und Rechnungen sowie Internettexte wären missverständlich.

"Odr venden sie es im ortnung wen ich chreibe wie ich grad marg?"

Aufgrund der schulischen und gesellschaftlichen Bedeutung der Rechtschreibung empfinden Kinder und Erwachsene der Bildungsschicht ihre eigenen Rechtschreibfehler als schlimm oder gar peinlich. Bei erwachsenen Legasthenikern führt dies häufig zu einem Verstecken der Schwäche, was sehr anstrengend sein kann.

Fazit: Ein "rechtschreipfehler" ist weder in der Schule noch im Beruf schlimm - wenn der Schreiber weiß, wie es richtig heißt und sich korrigieren kann

15. Rechtschreibfehler und Konzentration

LRS und Konzentration gehören oftmals zusammen, d.h. bei vielen Kindern mit AD(H)S tritt auch eine LRS auf. Umdrehen darf man das jedoch nicht. Die Ursache einer LRS ist nicht Konzentrationsmangel oder eben AD(H)S.

LRS und ADHS

Wie der genaue Zusammenhang zwischen LRS und einer Konzentrationsschwäche ist, gestaltet sich wie die Frage nach dem Ei und der Henne - wer war zuerst da?

  • hat ein Kind Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren, kann es sich auch schlechter auf das Schreiben, auf die Rechtschreibung, konzentrieren
  • hat ein Kind Schwierigkeiten mit der Rechtschreibung, ist diese sehr anstrengend und die Konzentration leidet

Weitere Infos zu Lernschwierigkeiten und Schulproblemen bei Rechtschreibschwäche finden Sie hier.


16. Mein Kind hat LRS - kann ich nicht selber helfen ?

Ja sicherlich können Sie helfen. Sie sollten natürlich Ihr Kind beim Lernen, gerade im Grundschulalter, unterstützen. Ihr Kind wird durch Ihre Hilfe bessere Noten schreiben als ohne Ihre Unterstützung. Eine LRS Förderung können Sie nicht selber leisten - jedoch Lernprogramme einsetzen, die wir auch in der Therapie der Rechtschreibschwäche verwenden.

Im PFI geben wir Ihnen viele nützliche Tipps für die Hausaufgaben und das Üben zu Hause. Dennoch ist unser Ziel, Sie zu entlasten - seien Sie nicht der Hilfslehrer der Schule sondern Elternteil, das sich mit Ihrem Kind freuen oder ärgern, trösten oder loben kann.

17. Geht LRS von alleine weg?

Manchmal entsteht der Eindruck, dass sich die Rechtschreibleistungen der Kinder in der Pubertät von alleine verbessern. Natürlich lernen Kinder dazu. Auch Kinder mit einer LRS verbessern sich, je älter sie werden. Kein Kind der 7. Klasse schreibt wie eines in der 2. Klasse. Dennoch haben Kinder mit einer Rechtschreibschwäche keine Chance, ohne Hilfe genau so gut wie rechtschreibstarke Kinder zu werden.

LRS wächst sich nicht aus. Die Schere in der Rechtschreibentwicklung geht immer weiter auseinander, umso älter die Kinder werden.


18. Bekommt mein Kind Probleme in der Schule, wenn ich es testen lasse?

Manchmal fragen uns Eltern, ob durch den Test das Kind erst zu einem Legastheniker gemacht wird. Ob die Schwäche also zu einem Stigma wird, weswegen das Kind in der Schule ausgelacht werden könnte. Nein, denn:

  • wenn in der Schule gehänselt wird, dann auch schon vor einem Test, eben weil das Kind viele Fehler macht. Dies ist aber überhaupt nicht in Ordnung und Sie sollten in dem Fall dringend! mit den Lehrern sprechen.
  • der Test "erschafft" nicht die LRS - die ist schon vorhanden. Ist ein Bein gebrochen, ist es gebrochen - auch ohne Röntgen.
  • eine LRS ist nicht "peinlich". Je nach Wertung ist etwa jedes 5. Kind betroffen. Selbst in einem Dorf mit 100 Kindern gibt es also 20 Kinder mit einer Schwäche. Wer sich schämt oder zu verstecken versucht, macht es sich und seinem Kind schwerer als es sein muss

19. Wird Legasthenie vererbt?

Zu den Fragen nach den Ursachen der Legasthenie gehört die Frage, ob sie vererblich ist: Ja, häufig hat ein Kind mit LRS ein Elternteil oder Großeltern, die selber Schwierigkeiten mit der Rechtschreibung haben. So wie ein Talent vererbt werden kann, kann auch eben eine Schwäche (genau genommen die Disposition) vererbt werden. Dies muss aber nicht sein. Innerhalb einer Familie kann es durchaus ein Kind mit und eines ohne Lese-/ Rechtschreibschwäche geben.


20. Steht im Zeugnis, dass ein Kind rechtschreibschwach ist?
Wenn ein Kind den Nachteilsausgleich gewährt bekommen hat, bzw. die Rechtschreibung nicht benotet wird, wird dies im Zeugnis vermerkt.