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S3 Leitlinie

Wirksame Förderung der LRS im PFI

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Leitlinie zur Diagnostik und Behandlung von LRS

Lese- und/oder Rechtschreibstörung richtig behandeln


Von der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP) wurde eine Leitlinie zur Diagnostik und Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit einer Lese- und / oder Rechtschreibstörung (LRS) entwickelt. Koordiniert wurde dies von  Herrn Prof. Schulte-Körne und gefördert durch den Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie e.V. (BVL).

Die Leitlinie nennt Empfehlungen, wie eine LRS oder Legasthenie festgestellt und behandelt werden sollte. Lerntherapeuten erhalten konkrete Hinweise zur Diagnostik und Eignung bestimmter Methoden sowie zur Dauer der Förderung.

Wirksame Therapie der Lese- und/oder Rechtschreibstörung 

Eine LRS bleibt ohne wirksame Therapie dauerhaft bestehen. Doch die Diagnostik und Förderung der LRS ist in der ärztlichen, psychologischen oder lerntherapeutischen Praxis uneinheitlich und basiert auf unterschiedlichen Vorgehensweisen, Diagnosekriterien, Testverfahren und Methoden.

Daher ist es notwendig, die Wirksamkeit von Fördermethoden sowie die Zweckmäßigkeit, Zuverlässigkeit und Gültigkeit des diagnostischen Vorgehens zu überprüfen, um daraus klare Anleitungen und Empfehlungen für die Praxis abzuleiten.

Etwa 3–11 % der Kinder und Jugendlichen weisen eine Lese- und / oder Rechtschreibstörung (LRS) auf.

Eine Lesestörung ist durch viele Fehler beim Lesen, durch eine deutlich herabgesetzte Lesegeschwindigkeit und ein beeinträchtigtes Leseverständnis gekennzeichnet. Dies zeigt sich in allen Schulfächern, in den Fremdsprachen und beim Aufgabenverständnis.

Bei der Rechtschreibstörung bestehen mit Beginn des Schriftspracherwerbs große Schwierigkeiten, die Laut-Buchstaben-Zuordnung sowie die Rechtschreibung von Wortbestandteilen und Wörtern zu lernen.

Bei der kombinierten LRS treten die Symptome gemeinsam auf.

Eine LRS kann zu deutlichen Problemen im schulischen Bereich führen und bedingt häufig weitere psychische Einschränkungen, denn wenn Kinder wiederholt schulische Misserfolge erleben, können sich  Versagensängste und negative Selbstkonzepte entwickeln. Bei etwa 20 % der Kinder und Jugendlichen mit LRS entwickelt sich eine Angststörung, aber auch Depressionen und Störungen des Sozialverhaltens treten gehäuft auf.

Hinweise zur Diagnostik und Förderung

Die Leitlinie basiert auf der aktuellen, wissenschaftlichen Forschungslage. Sie ist durch die Zusammenarbeit von Ärzten, Lerntherapeuten, Psychologen und Sonderpädagogen entstanden.

 

Sehr gut ist, dass sich die Leitlinie anhand einer Positiv-/Negativliste auch zu alternativen Fördermethoden äußert“, so PD Dr. Thomas Günther, der als Mandatsträger für den dbl an der Leitlinien mitgewirkt hat. Weiterhin ist nennenswert, dass es ein eigenes Kapitel zu den möglichen Komorbiditäten gibt (SSES, ADHD, AVS, Rechenstörungen, Depression und Angststörungen). Neben der nun geschaffenen Möglichkeit, sich bei der Diagnostik für Altersdiskrepanz oder IQ-Diskrepanz zu entscheiden, sorgt die Aufnahme der Komorbiditäten dafür, dass die Diagnostik einer LRS mehr ist als nur das Abnehmen eines Lese- und Rechtschreibtests.

 

Therapieempfehlungen der Leitlinie

Die Leitlinie gibt klare Therapieempfehlungen, wodurch Kosten gespart und psychosoziale Belastungen vermieden werden können.

 

  • Eine Diagnose ist nur bei unterdurchschnittlichen Lese- und/oder Rechtschreibleistungen zu stellen.
  • Es soll überprüft werden, ob ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit / Hyperaktivität) oder eine Angst- oder Rechenstörung besteht.
  • Auditive oder visuelle Wahrnehmungs- und Verarbeitungstrainings, medikamentöse Behandlungen und Irlen-Linsen sind nicht wirksam.
  • Auch alternativmedizinische Methoden wie Homöopathie, Akupressur, Osteopathie und Kinesiologie sowie Nahrungsergänzungsmittel, visuelles Biofeedback, motorische Übungen und Okklusionstherapie konnten die Lese-Rechtschreibleistungen von betroffenen Kindern nicht steigern.
  • Die Lese-Rechtschreibleistungen sollen mit systematischen Instruktionen der Buchstaben-Laut-Korrespondenzen gefördert werden.
  • Die orthografische Rechtschreibfähigkeit lässt sich am effektivsten durch ein Rechtschreibregeltraining steigern.
  • Die Förderung soll symptomorientiert erfolgen.

 

(siehe Diagnostik und Förderung von Kindern mit Lese- und/oder Rechtschreibstörung im Ärzteblatt)

Grundlagen der Förderung der Lese- und/oder Rechtschreibstörung

Die Leitlinie beinhaltet Empfehlungen zu Behandlungsbeginn, Behandlungsdauer sowie zur Qualifizierung und zum Lernsetting (Einzel- oder Kleingruppenförderung).

In der metaanalytischen Auswertung konnte nur bei symptomspezifischen Verfahren nachgewiesen werden, dass sich die Lese-Rechtschreibleistung verbesserte. Demnach wird sie zur Behandlung empfohlen.

Die Förderung sollte früh, möglichst schon in der ersten Klasse beginnen, da dies effektiver ist als zu einem späteren Zeitpunkt. Die Fördermaßnahmen sollen als Einzelunterricht oder in Kleingruppen durchgeführt werden. Es konnte keine verbesserte Wirksamkeit bei Einzelunterricht im Vergleich zum Kleingruppenunterricht festgestellt werden, wobei jedoch vorliegende Lernbedingen wie ADHS sowie die Ausprägung der Schwäche berücksichtigt werden müssen.

Einfluss auf die Wirkung der Förderung hat die Ausbildung und Qualifikation der Lerntherapeuten. Demnach sollen Experten im Bereich der Schriftsprachentwicklung und ihrer Förderung den Unterricht umsetzen.

Außerdem verbessern sich die Betroffenen stärker, wenn die Förderung der Lese-/ Rechtschreibleistung langfristig stattfindet. Kinder und Jugendliche mit einer LRS sollen deshalb so lange gefördert werden, bis eine möglichst altersangemessene Lese- und Rechtschreibfähigkeit erreicht wird.

Dies bedeutet meist eine mehrjährige, intensive Förderung und Behandlung, die jedoch aufgrund fehlender Finanzierung durch das Gesundheitswesen oft nicht erfolgt. Daher sind die Chancen für junge Menschen mit LRS für eine begabungsentsprechende Schulentwicklung und psychosoziale Integration in die Gesellschaft geringer.

Es ist daher wichtig, dass sich Eltern engagieren und die Förderung ihres Kindes bei Lese-Rechtschreibschwierigkeiten unterstützen und zumeist selbst finanzieren. Nur so haben betroffene Kinder langfristig eine Chance.

 


Download der Dokumente der Leitlinie:

Folgende Dokumente finden Sie auf den Seiten der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie:



Die Leitlinie

Methodenreport zur Leitline

Evidenztabelle 1 Diagnostik
Evidenztabelle 2 Testverfahren
Evidenztabelle 3 Vorläufer
Evidenztabelle 4 Behandlung
Evidenztabelle 5 Komorbiditäten
Evidenztabelle 6 Komorbiditäten