Freude am Lesen wecken
Ein Nachmittag und Abend voller Rätsel, Geschichten und gemeinsamer Erlebnisse: Der in der Regel Ende Januar stattfindende Spielenachmittag und die Lesenacht im Pädagogischen Förderinstitut (PFI) in Friedberg bieten den Schülerinnen und Schülern nicht nur spannende Unterhaltung, sondern wollen auch eines erreichen – Freude am Lesen wecken – insbesondere bei Kindern, die sonst eher kaum einen Zugang zu Büchern finden.
Der Spielenachmittag
Einmal im Jahr verwandeln sich die Gruppenräume des Instituts in lebendige Lese-Ecken, Spielflächen und gemütliche Rückzugsorte, an denen Bücher, Wissen und Teamgeist im Mittelpunkt stehen. So herrscht bereits beim Eintreffen gespannte Vorfreude. Der Nachmittag beginnt mit einem spannenden Spieleblock, der sofort für gute Stimmung sorgt. In kleinen Teams treten die Kinder zum Beispiel bei einem Ratespiel à la Quizduell gegeneinander an und können ihr Wissen in unterschiedlichen Kategorien unter Beweis stellen. Fragen aus den Bereichen Natur, Märchen, Sport oder aktuelle Themen sorgen für viele Aha-Momente und so manche überraschende Antwort. Alternativ wird ebenfalls in kleinen Gruppen Tabu gespielt, das nicht nur Kreativität, sondern auch Sprachgefühl verlangt. Hier können die Kinder unter Beweis stellen, wie geschickt sie sich ausdrücken und gemeinsam Begriffe erklären können, ohne dabei die verbotenen Wörter zu verwenden. Das sorgt immer für viel Gelächter, aber auch für Konzentration und Aufmerksamkeit, die sonst von den Kindern vielleicht nicht mit Sprache und Lesen in Verbindung gebracht werden.
Die Lesenacht mit Buchvorstellungen
Nach der Spielephase wird es ruhiger – zum Abendessen gibt es nämlich Pizza, Getränke, Knabbereien und frische Apfelstückchen – die in entspannter Runde gemeinsam genossen werden.
Dann wird es magisch und die Aufmerksamkeit richtet sich auf das Herzstück des Abends: die Buchvorstellungen. Die Lesepaten und Lehrkräfte des PFI bereiten eine bunte Auswahl altersgerechter Bücher vor, die Lust aufs Weiterlesen machen sollen. Vorgestellt werden häufig Klassiker wie Die drei ???, die mit spannenden Detektivfällen die Fantasie anregen, sowie Szenen aus Harry Potter, die mit ihrer magischen Welt selbst leseunwillige Kinder schnell fesseln können. Für die Jüngeren sorgen beispielsweise Auszüge aus Käpt’n Blaubär für gute Laune; humorvoll, sehr detailreich und voller Wortwitz.
Besonders schön ist, dass auch eigene Lieblingsbücher vorgestellt werden dürfen. Einige Kinder bringen dann stolz ihre persönlichen Schätze mit und erzählen, warum sie diese Geschichten so sehr mögen. So entsteht ein lebendiger Austausch, bei dem alle merken: Lesen kann ganz unterschiedlich aussehen – ob Abenteuer, Fantasie oder Alltagsgeschichte – Hauptsache, es berührt und begeistert.
Zwischendurch wird für kleine Pausen gesorgt: Bei Snacks und Getränken tauschen sich die Gruppen über das Gelesene aus oder schauen gemeinsam in die vorgestellten Bücher oder die Exemplare auf dem Büchertisch. Der Aufenthalt in entspannter Atmosphäre hilft besonders denjenigen, denen Lesen sonst schwerfällt, Hemmungen abzubauen und sich freier mit Texten und tollen Inhalten auseinanderzusetzen.
Eine Lesenacht mit Film und Übernachtung
Als Tagesausklang steht in der Regel schließlich ein gemeinsames Filmerlebnis auf dem Programm: Aus den literarischen Vorbildern suchen sich die Kinder eine Verfilmung aus. Dieses Erlebnis rundet den Abend perfekt ab. Für viele ist es spannend zu sehen, wie ein Buch auf der Leinwand lebendig wird und vielleicht weckt das sogar den Wunsch, das Original selbst einmal zu lesen.
Als besonderes Highlight, bleibt ein Teil der Gruppe anschließend über Nacht im Institut. In Schlafsäcken, mit Taschenlampen und viel Gesprächsstoff über Bücher und Figuren klingt die Nacht dann aus. Am Sonntagmorgen, nach einem gemeinsamen Frühstück, bei dem häufig noch über die Geschichten und Erlebnisse des Vortags gesprochen und diskutiert wird, warten dann schon die Eltern, um ihre oft müden, aber glücklichen Kinder abzuholen.
Die Kombination aus Spiel, Lesen und Gemeinschaft ist ein wichtiger Baustein, um Kinder mit unterschiedlichsten Lernvoraussetzungen für Sprache und Bücher zu begeistern. Und die strahlenden Gesichter und neugierigen Fragen am Ende der Nacht oder am nächsten Morgen zeigen: Wenn Lesen mit einem schönen Rahmenprogramm zur gemeinsamen Entdeckung wird und Kinder mit Problemen im Lesen und Schreiben nach den vielen Geschichten von sich aus sagen, sie hätten Lust, weiterzulesen, dann hat sich ein solcher Abend gelohnt.
Ihr Michael Friesl
Institutsleiter PFI Friedberg
